Tierschutz-Zoologe Schlup zum Umgang mit Schnecken.
Coopzeitung: Die Weinbergschnecken stehen unter Schutz. Wie gefährdet sind sie?
Peter Schlup: Sie sind vor allem wegen des Einsatzes von Pestiziden und Kunstdüngern wie auch wegen des Verlusts des Lebensraums gefährdet. Daher sind sie aus den Weinbergen - ausgenommen denjenigen von ökologischen Winzern - mehrheitlich verschwunden. Allgemein herrscht die Meinung vor, Weinbergschnecken seien in der ganzen Schweiz geschützt. Das ist eigentlich gut so, aber nicht ganz richtig. Aktuell sind sie in den meisten Kantonen geschützt, in den Kantonen Wallis, Waadt, Neuenburg und Genf dürfen Weinbergschnecken beschränkt genutzt werden. In Appenzell Ausserrhoden, Luzern, Nidwalden und Uri sind sie nicht geschützt.
Muscheln zu essen ist üblich. Was spricht dagegen, auch Zucht-Schnecken zu essen?
Die Frage, ob jemand ein Tier essen will oder nicht, muss jede und jeder für sich selber beantworten. Aus Sicht der Wissenschaft ist davon auszugehen, dass evolutiv weniger entwickelte Tiere wie Schnecken oder Muscheln Schmerzen und Leiden weniger wahrnehmen können als höher entwickelte Tiere wie Fische oder Säugetiere. Aber Vorsicht: Bewiesen ist das nicht!
Was halten Sie davon, Schnecken für den Verzehr zu züchten?
Wenn schon Schnecken gegessen werden, dann ist es sicherlich sinnvoller, diese in einer artgemässen Haltung zu züchten und fachgerecht zu töten, als sie in der Natur zu sammeln und damit den Bestand zu gefährden. Wichtig ist auch, dass die Zuchttiere selber aus Zuchten stammen und nicht in die Natur entweichen können. ds
Peter Schlup, Fachstelle Wildtiere, Schweizer Tierschutz STS.
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