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400'000 Zuchtschnecken ertranken in Elgg
BEAT MARTI Armin Bähler auf seiner Schneckenfarm in Elgg. Rund 16?000 tote Muttertiere liegen auf einem Haufen, und es werden noch mehr.

Tagesanzeiger, 20. August 2007, 21:33 - von Martin Gmür

Auf Bählers Schneckenfarm ist beim Hochwasser Anfang August fast die Hälfte der Tiere verendet. Das «Schnäggefäscht» findet trotzdem statt.

Eigentlich ist 2007 ein gutes Schneckenjahr. Die Schleimer schleichen derzeit in Scharen durch Gärten und Grünanlagen ? nicht gerade zur Freude der Besitzer. Doch die Elgger Schneckenzüchterfamilie Bähler freut sich: Zu feiern gibt es das dritte Jahr der ersten Schneckenfarm des Landes (mittlerweile gibt es mehrere) und die ersten Escargots d?Elgg. Am Rande des Städtchens, auf dem elterlichen Riethof, züchtet Armin Bähler seit 2004 Weinbergschnecken, die vielen Gourmets als Delikatesse gelten. Doch die toten Tiere, die sich nun anhäufen, sind nicht mehr essbar, stinken fürchterlich und trüben die Festfreude.

Kübelweise haben Bähler und seine Eltern in den letzten Tagen die übel riechenden Häuschen aus den umzäunten Beeten entfernt, wie die «Elgger Zeitung» berichtete. Die Schnecken selber hätten sich durch das Wasser praktisch aufgelöst, sagt der Züchter, der bisher rund 100?000 Franken in sein Unternehmen investiert hat. Das Wasser kam am Mittwochabend, am 8. August, von drei Seiten und überschwemmte die tief gelegenen Teile der Anlage. Die Feuerwehr habe sogar noch zusätzlich Wasser auf seine Parzelle geleitet, um die benachbarten Einfamilienhäuser vor noch mehr Überflutungen zu schützen, sagt Bähler ohne Vorwurf. Ein solches Unwetter habe sein Vater letztmals 1957 erlebt.

Spürten die Tiere den Tod?

Etwa 16?000 tote Muttertiere haben Bählers bisher in den Beeten gesammelt, 4000 weitere dürften noch dort liegen. 50?000 Tiere waren es insgesamt. Weil jede Schnecke etwa 20 überlebende Jungtiere hatte, dürften gegen 400?000 ertrunken sein. Ob sie den Tod spürten, weiss Bähler nicht. «Ich nehme an, sie haben kaum viel gemerkt.» Schnecken spricht man ein Schmerzempfinden ab. «Die Überschwemmung wirft uns zwei Jahre zurück, weil wir im Moment nicht mehr genügend Muttertiere haben», sagt Bähler. Diesen Herbst hätte er nach drei Jahren erstmals in grösserem Stil Schnecken verkaufen wollen, die Mutter Bähler in der Küche in Weisswein vorgesotten und in Gläser abgefüllt hat.

Statt vieler Gläser in Geschäften und Wirtshausküchen liegen nun leere Häuschen auf einem Haufen, damit der Schätzer der Versicherung den Schaden aufnehmen kann. Wie viel Bähler erhält, weiss er nicht. Die Schneckenversicherung, die er abschloss, war die erste ihrer Art in der Schweiz. Für 80 Rappen verkaufe er ein Tier ab Hof. Ohne Häuschen und vorgekocht kosten zwölf Stück neun Franken. Am «Schnäggefäscht», das auf den kommenden Samstag (11 bis 17 Uhr) angesetzt ist, sind sie etwas günstiger zu haben ? oder fertig serviert im Pfännli. Auch Führungen gibts (um 11.30 und 14.30 Uhr), zu trinken ? und für jene, die keine Schnecken mögen, auch Würste vom Grill.

Schneckenfarm Elgg
Bähler & Co.
Riethof
CH - 8353 Elgg
Tel. +41 52 364 17 60
Fax +41 52 364 17 59