Der Landbote, 22. Oktober 2009 - Michael Weber
Nicht nur Igel, Dachs und Bär ziehen sich im Winter zurück. Auch die Weinbergschnecken in der Elgger Schneckenfarm verschlafen die kalten Monate in ihrem Häuschen.
ELGG - Die Schneckenfarm liegt verlassen da. Der Boden braun eingefärbt vom verrottenden Laub. Wo sonst Heerscharen von Weinbergschnecken um die Wette Salate vernichten, kreucht und fleucht nun gar nichts mehr. Spätestens letzte Woche hat sich die letzte der rund 30'000 Weinbergschnecken in ihr Häuschen zurück gezogen. "Die ersten fingen schon um den 10. September an, in den Winterschlaf zu gehen", erzähIt Schneckenzüchter Armin Bähler. Um unbeschadet zu überwintern, graben die Schnecken zuerst ein Loch in die Erde. In dieses verkriechen sie sich und beginnen, viel Kalk zu produzieren. Daraus basteln sie sich einen luftdichten Deckel, hinter dem sie sich bis etwa Mitte April vor Raubtieren, Kälte und Schnee schützen. Sobald die Zeit reif ist, stossen die Weinbersschnecken den Deckel wieder auf und beginnen ein neues Lebensjahr. Mindestens zwei Jahre alt müssen die Schnecken sein, um "geerntet" werden zu können. Das geht jedoch nur, wenn die Tiere "wach" sind. "Es handelt sich bei der Schneckenzucht um einen saisonalen Beruf", sagt Bähler. Die Schnecken mittels Gewächshaus künstlich vom Winterschlaf. abzuhalten, findet er keine gute Idee: "Die Italienische Südschnecke braucht den Winterschlaf zur Regeneration." Trotzdem überleben jeweils nur rund 20 Jungschnecken pro Muttertier den Winter. Bei harten Wintern sogar deutlich weniger. Ein Umstand, den Hobbygärtner freuen dürfte. Armin Bähler, welcher vor zwei Jahren einen Grossteil seiner Zucht verlor (siehe Kasten), hofft hingegen auf einen milden und kurzen Winter. Michael Weber
Nach Hochwasser wieder auf Kurs Im August 2007 hat ein Hochwasser dem Betrieb von Armin Bähler einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden zugefügt. Der Elgger Schneckenzüchter hat auf einen Schlag 20000 Mutterschnecken und Hunderttausende von Jungtieren verloren. Dabei handelte es sich um rund die Hälfte seiner Weinbergschnecken mit einem Gegenwert von 200000 Franken Bähler schätzte damals, dass seine Zucht um ein bis zwei Jahre zurückgeworfen wurde. Heute weiss er, dass er zu optimistisch war. Zwar habe man bisher immer wieder ernten können. Mit der Zucht habe er aber vor zwei Jahren wieder bei null anfangen müssen. "Wir hoffen, dass wir unsere erste richtige Ernte im kommenden Sommer, also drei Jahre nach dem Unwetter, durchführen können", sagt Armin Bähler. Die Schneckenliebhaber werden sich bis dahin also noch in Geduld üben müssen. (maw) |