Elgger Zeitung, 27. August 2009 - Peter Mesmer
Zum bereits sechsten Mal fand am vergangenen Samstag in der Schneckenfarm Elgg, das von Familie Bähler hervorragend organisierte „Schnäggä-Fescht“ statt. Für beste musikalische Unterhaltung sorgten die „Humbergfreunde“, das Duo „Vreni & Maria“ sowie die Countryband „Chicken Cage“.
ELGG – Als die Familie Bähler auf dem Riethof im Jahr 2004 eine Schneckenzuchtbetrieb eröffnete, glaubten wahrscheinlich nur wenige Elggerinnen und Elgger an den Erfolg des bei uns zuvor wenig bekannten Geschäftsmodells. Fünf Jahre später sieht alles anders aus. Die Elgger Schneckenfarm hat sich sehr erfolgreich entwickelt. Die Nachfragen aus der Gastronomie und von privaten Liebhabern können kaum gedeckt werden, und in diesem Jahr haben an diversen Führungen bereits über 1000 Personen die Schneckenfarm besucht. Vom grossen Interesse an den Schnecken kann in Sachen Popularität somit auch das Städtchen Elgg einiges profitieren.
Immer weniger Skepsis Das sechste „Elgger Schnäggä-Fescht“ erwies sich wiederum als Publikumsmagnet. Armin Bähler zeigte sich sehr zufrieden. „Ab dem späteren Samstagnachmittag hatten wir die Hütte voll. Es herrschte einesSuperstimmung und unsere Schnecken gingen weg wie warme ‘Weggli’.“ Begonnen habe das Fest, damals vor sechs Jahren, in äusserst bescheidenem Rahmen, erzählt der innovative Schneckenzüchter: „Ich kann mich noch gut erinnern. Die Leute waren eher skeptisch. Viele wagten es kaum die feine Delikatesse zu probieren.“ Das habe sich im Laufe der Zeit rigoros geändert. Bähler geht davon aus, dass am diesjährigen Fest über 500 Schneckenportionen vertilgt worden sind. Bei 500 „Schnäggä-Pfändli“ à sechs Schnecken macht das total 3000 Stück. Wenn das kein Erfolg ist! Für kulinarisch wenig experimentierfreudige Zeitgenossen hatte es natürlich auch Alternativen vom Grill und Pommes im Angebot. Hunger und Durst leiden musste an diesem Samstag auf der Schneckenfarm garantiert niemand. Und auch für Informationen und Vergnügungen war gesorgt. Im Mittelpunkt aller Aktivitäten stand selbstverständlich die Weinbergschnecke – sei es bei den fachkundigen Führungen oder beim Schneckenrennen, dass nicht nur die Kinder faszinierte und erfreute.
Butterzart und würzigfein Tatsächlich mundeten die mit Riethof-Kräuterbutter überbackenen Elgger Schnecken hervorragend – butterzart im Biss und würzigfein im Geschmack. Auf dem Riethof in Elgg werden die Weinbergschnecken auf einer Fläche von 13'000 Quadratmetern artgerecht gehalten. Die gute Boden- und Futterqualität und die intensive Pflege sind Garanten für ein hochwertiges Produkt, das immer mehr Liebhaber findet. Vor allem die Nachfrage aus der Gastronomie ist gross. Dazu sagt Armin Bähler: „Momentan können wir pro Monat gut 2000 Schnecken frisch verarbeiten. Kaum fertig gestellt, wird diese Ware von unserer Stammkundschaft geordert und ist dann auch schon weg. Dazu müssen wir natürlich auch noch ein gewisses Quantum zurückbehalten, da bei den vielen Führungen und Apéros, die wir anbieten, unsere Gäste natürlich ebenfalls immer wieder gerne ein Glas Elgger Schnecken als Erinnerung mit nach Hause nehmen.“
„Escargots gris“ Dass die Nachfrage grösser ist, als das Angebot, schaut auf den ersten Blick nach einem Luxusproblem aus. Natürlich sei es so besser, als umgekehrt, findet auch Armin Bähler. Bedauerlich sei jetzt halt aber noch mehr der grosse Rückschlag, den sie vor zwei Jahren erlitten hätten. Beim Hochwasser anfangs August 2007 ist gut die Hälfte des damaligen Gesamtschneckenbestandes, etwa 400'000 Stück, ertrunken. „Darunter leiden wir bis heute. Ohne diese Katastrophe könnten wir heute auf gut und gerne 50'000 ausgereifte Exemplare mehr zurückgreifen“, ärgert sich Bähler immer noch. Jammern nütze aber bekanntlich nichts, meint er dann sofort. Es gelte jetzt optimistisch in die Zukunft zu blicken. Nächstens würden sie auf ihrer Farm ein Experiment mit einer zweiten Schneckenart starten. „Wir wollen nun neben der mitteleuropäischen Weinbergschnecke auch die kleinere südeuropäische Weinbergschnecke züchten. Bisher habe man geglaubt, dass diese Tierchen für unser Klima ungeeignet seien. Erste Versuche hätten nun aber gezeigt, dass sich die „escargots gris“, wie sie auch genannt werden, in unseren Gefilden ebenfalls prächtig entwickeln können. „Da die kleinen Weinbergschnecken viel schneller verzehrbereit sind, könnten unsere Lieferengpässe schon bald der Vergangenheit angehören“, zeigt sich Armin Bähler optimistisch.
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