Schneckenfarm Elgg



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Fressen und sich wacker vermehren
Die Schneckenfarm Riethof im Eulachtal umfasst momentan vier Parzellen. In einigen Jahren wollen die Bählers auf drei Hektaren Weinbergschnecken züchten.
Familie Bähler in Elgg ZH hat eine Produktionsnische entdeckt: Sie züchtet Weinbergschnecken.

Daniel Sägesser

Schnecken sind normalerweise in Gärten ungebetene, ja verhasste Gäste. Nicht so auf dem Riethof in Elgg bei Winterthur. Auf ihrem stillgelegten Bauernhof haben Webdesigner Armin Bähler (33) und seine zur Zeit noch als Hauswarte tätigen Eltern Margrit und Hansueli vor vier Wochen Schnecken ausgesetzt: jetzt leben 15000 eigens aus einer deutschen Zucht eingeführte Weinbergschnecken in vier 3 x 40 Meter grossen Parzellen und laben sich an biologisch angebautem Klee, Rüpsen, Zichorie und Kohl. «Diese Pflanzen fressen unsere Weinbergschnecken besonders gern», sagt Armin Bähler. Auch sonst seien, so Bähler, die Bedingungen für die Zucht in Elgg ideal: «Das Klima darf nicht zu trocken sein, wichtig ist Morgentau. Unser Boden hat die richtige Mischung aus Erde, Lehm und Sand und ist genügend kalkhaltig, damit die Tiere ihre Häuschen aufbauen können.»
Paarungsakt: Den Weinberg- schnecken scheint es auf dem Riethof wohl zu sein. Die Züchterfamilie Bähler freuts.
Die Bählers sorgen dafür, dass es den Schnecken an nichts fehlt, denn neben Fressen sollen sie sich zünftig vermehren - und damit Bählers Schneckenzucht zum Erfolg führen. Schnecken zu züchten sei nicht sehr arbeitsintensiv, meint Bähler. Neben der Kontrolle der Zäune gelte es vor allem, die mit Vlies ausgelegten Gänge zwischen den Parzellen zu jäten, damit man ausgebüxte Tiere leicht wieder finde und nicht etwa auf sie trete.

Bis Mitte Juni paarten sich die Zwitterwesen. Jede Schnecke legt 20 bis 60 Eier, nach etwa acht Wochen schlüpfen die kleinen und durchsichtigen Schneckenkinder. Bis sie selber geschlechtsreif sind, dauert es zwei Jahre. Weinbergschnecken können bis 30 Jahre alt werden. Im Herbst, rechnet Bähler, sollten rund 300000 Schnecken auf dem Riethof ihre Schleimspur ziehen. Bählers längerfristiges Ziel ist es, mit 40000 Zuchtschnecken auf drei Hektaren pro Jahr 30 Tonnen Schnecken zu produzieren. «Dann können meine Eltern von der Zucht leben. Mein Vater hat schon als Bub davon geträumt, einmal Schnecken zu züchten und hat die frei lebenden Tiere gesammelt, als es noch erlaubt war», berichtet Sohn Armin. Bevor dieser Traum Wirklichkeit werden sollte, dauerte es 40 Jahre.
Reichlich Futter und guter Boden: Armin Bähler sorgt dafür, dass es seinen Weinbergschnecken auf dem Riethof an nichts fehlt.
Vor zwei Jahren sahen die Bählers im deutschen Fernsehen einen Beitrag über die erste Schneckenfarm Deutschlands, die sich in Nersingen bei Ulm befindet. «Wir nahmen mit der Zucht Kontakt auf», erinnert sich Armin Bähler, «haben die Farm besucht und damit begonnen, uns Wissen über die Aufzucht und das Halten von Weinbergschnecken anzueignen.» Seit Januar dieses Jahres liefen dann die Vorbereitungsarbeiten: Es galt den Bedarf an Land für die Zucht abzuklären, das Material in Deutschland zu beschaffen und Bewilligungen einzuholen. Die einmaligen Investitionen für die Zuchtanlage belaufen sich auf 100000 Franken. Geplant ist, die Elgger Schnecken vorerst nach Deutschland auszuführen. Dort gibt es einen Spezialbetrieb, der täglich vier Tonnen dieser Weichtiere zu verarbeiten vermag. Die Tiere werden mit einem Dampfstoss getötet, danach gereinigt und in Büchsen abgefüllt oder tiefgefroren. Der Preis wird an der Schneckenbörse in Frankreich bestimmt. «Zur Zeit», so Armin Bähler, «bringt ein Kilo, also rund 70 Schnecken inklusive Häuschen, sechs Euro. Wegen der immer grösseren Nachfrage ist die Preistendenz steigend.»
Schneckenfarm Elgg
Bähler & Co.
Riethof
CH - 8353 Elgg
Tel. +41 52 364 17 60
Fax +41 52 364 17 59